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quinta-feira, 26 de dezembro de 2013

touché


"Wenn einer in sein dreißigstes Jahr geht, wird man nicht aufhören, ihn jung zu nennen. Er selber aber, obgleich er keine Veränderungen an sich entdecken kann, wird unsicher; ihm ist, als stünde es ihm nicht mehr zu, sich für jung auszugeben. (...)

Nie hat er einen Augenblick befürchtet, dass der Vorhang wie jetzt aufgehen könne vor seinem dreißigsten Jahr, dass das Stichwort fallen könne für ihn, und er zeigen müsse eines Tages, was er wirklich zu denken und zu tun vermochte, und dass er eingestehen müsse, worauf es ihm wirklich ankomme. Nie hat er gedacht, dass von tausendundeiner Möglichkeit vielleicht schon tausend Möglichkeiten vertan und versäumt waren - oder dass er sie hatte versäumen müssen, weil nur eine für ihn galt.
Nie hat er bedacht ...
Nichts hat er befürchtet.
Jetzt weiß er, dass auch er in der Falle ist."

Ingeborg Bachmann, Das dreißigste Jahr

quarta-feira, 25 de abril de 2012

Sonho 1


Lieber Paul, das ist nun vielleicht wieder nicht die richtige Zeit, um einiges zu sagen, was sich schwer sagen lässt, aber es gibt ja die richtige Zeit nicht, sonst hätte ich es schon einmal über mich bringen müssen. Ich glaube wirklich, dass das grössere Unglück in Dir selbst ist. Das Erbärmliche, das von aussen kommt – und Du brauchst mir nicht zu versichern, dass es wahr ist, denn ich weiss es ja zu grossen Teil – ist zwar vergiftend, aber es ist zu überstehen, es muss zu überstehen sein. Es kann jetzt nur von Dir abhängen, ihm richtig zu begegnen, Du siehst ja, dass alle Erklärungen, jedes Eintreten, so richtig es auch gewesen sein mag, in Dir das Unglück nicht verringert hat, wenn ich Dich sprechen höre, kommt es mir vor, als sei alles wie es vor einem Jahr war, als gelte es Dir nichts, was dass viele Menschen sich bemüht haben, als gelte nur das andere, der Schmutz, das Hämische, die Torheit. Du verlierst auch Freunde, weil die Menschen fühlen, daß es Dir weniger gilt, daß auch ihr Widerspruch nicht gilt, wo er ihnen vonnöten scheint. Der Widerspruch fällt leicht unglücklicher aus als das Einverständnis, aber nützlicher ist er manchmal doch, und seis auch nur, daß man für sich selber danach besser herausfindet, als die anderen, wo der Fehler liegt. Aber lassen wir die anderen.

Ingeborg Bachmann an Paul Celan, Zürich, 27.9. 1961. carta não enviada

terça-feira, 17 de maio de 2011

Schatten Rosen Schatten


Unter einem fremden Himmel
Schatten Rosen
Schatten
auf einer fremden Erde
zwischen Rosen und Schatten
in einem fremden Wasser
mein Schatten

Ingeborg Bachmann

segunda-feira, 16 de maio de 2011

soundcloud

Exil

Ein Toter bin ich der wandelt
gemeldet nirgends mehr
unbekannt im Reich des Präfekten
überzählig in den goldenen Städten
und im grünenden Land

abgetan lange schon
und mit nichts bedacht

Nur mit Wind mit Zeit und mit Klang

der ich unter Menschen nicht leben kann

Ich mit der deutschen Sprache
dieser Wolke um mich
die ich halte als Haus
treibe durch alle Sprachen

O wie sie sich verfinstert
die dunklen die Regentöne
nur die wenigen fallen

In hellere Zonen trägt dann sie den Toten hinauf


Ingeborg Bachmann